
Unstimmigkeiten
Tag 6:
Also, das Chambre d´hôtes Côtenvers „https://de.cotenvert.fr/“ können wir nur empfehlen. Für Pilger eine wunderbare Adresse zum Übernachten und sich Wohlfühlen.
Das Frühstück ist genauso gut und umfangreich wie das Abendessen. Gekrönt von der quirligen Hausherrin, mit der wir uns auch diesmal wieder austauschen.
Dadurch kommen wir erst 08:30Uhr, etwas später als gewünscht, auf den Weg. Mir wäre früher lieber gewesen, weil für diesen Tag Gewitter angekündigt sind. Andererseits ist die Etappe mit circa 20km recht kurz und laut Buchung, können wir erst ab 16:00Uhr ins Quartier.
Vielleicht kann man aber auch früher rein, oder es bietet sich eine Möglichkeit zum Unterstellen bei Gewitter. Ich bin da eher der Typ, der ein bisschen auf Sicherheit bedacht ist und Sabine hat sich da schon ein wenig angeglichen, denke ich. Stefan hingegen sieht das nicht so verbissen. Er meint, Regen wäre eine gute Gelegenheit, endlich sein neues Regencape zu testen.
Tja Stefan, der hat uns anscheinend sehr ins Herz geschlossen, denn er bemüht sich, an uns dran zu bleiben. Es ist ihm sogar wieder gelungen im gleichen Chambre d´hôtes unterzukommen, das wir gebucht haben.
Prinzipiell ist Stefan ein angenehmer Mitpilger, der aber, wie schon geschildert, einen anderen Laufrhythmus hat. Mir wäre es deshalb lieber, nicht ganz so aufeinander zu glucken, damit Sabine und ich uns nicht so seinem Stil anpassen müssen. Alle Versuche ihn sanft davon zu überzeugen, laufen aber ins Leere. Stefan möchte die stündlichen Pausen gemeinsam begehen, jede Kirche/Kapelle besuchen und jeden Stempel suchen, den es gibt.
Gerade das mit den Stempeln ist uns nicht so wichtig. Einer am Tag reicht uns, um unsere Reise zu dokumentieren. Der Pilgerausweis ist in Frankreich sowieso nicht so gefragt wie in Deutschland und der Schweiz. Außerdem fühlen wir uns auch ohne diese Stempel als Pilger und müssen damit nichts beweisen.
Ich würde gerne wieder einmal einen Tag nur mit Sabine alleine laufen, denn es soll ja unser gemeinsamer Weg sein.
Wir schwitzen diesmal nicht so sehr wie an den anderen Tagen, denn es ist etwas kühler geworden. Zumal noch ein leichter Wind für Erfrischung sorgt.

Leider zieht sich aber der Himmel immer weiter zu und wir hören auch fernes Donnergrollen. Ich mache deshalb vermutlich mehr Druck als nötig wäre und die Pausen fallen kürzer aus als es Stefan lieb ist. So richtig glücklich wirkt er dabei nicht, bleibt aber an uns dran.
Ab und zu möchte er sich gerne ans Ende unserer Gruppe verdrücken, Sabine schafft es aber immer wieder, sich dahinter zu schieben. Stefan beschwert sich deshalb auch einmal bei ihr und sagt mehr im Spaß:
„Ich darf wohl gar nicht hinten laufen und soll immer vorne sein?“
„Ach, ich habe euch einfach gerne alle im Blick. So wie ein Hütehund, der seine Herde zusammenhält“, ist die Antwort meiner Frau.
Das ist die eine Seite. Die andere ist, dass wir ihn gerne vor uns haben, weil er schneller läuft, gerade bei den Anstiegen. Befindet er sich hinter uns, fühlen wir uns unter Druck gesetzt, weil wir ihn ausbremsen. Vorn kann er sein Tempo laufen und eventuell mal eine Zigarette rauchen bis wir ihn wieder einholen. Meist klappt das aber nicht, denn Stefan will die Pausen gemeinsam begehen.
Die Wege sind schön und ohne sehr steile Anstiege, weshalb wir gut vorankommen.
Hier ein paar Bilder vom Weg:





Auf einer Brücke überqueren wir eine Autobahn und freuen uns über das entschleunigte Pilgerleben.
Aber es wäre ja zu schön gewesen ohne Regen davon zu kommen. Etwa 5km vor dem Etappenziel streift uns doch ein Gewitter. Wir kommen nicht umhin die Regencapes überzustreifen. Für uns als Paar einfach, weil wir uns gegenseitig zur Hand gehen. Stefan will es alleine schaffen und bekommt es auch mit etwas Mühe hin.
14:15Uhr erreichen wir bei Sonnenschein unser Ziel. Das Gewitter ist abgezogen und uns erwartet eine Erfahrung, die wir schon mehrfach auf unseren Pilgertouren machen mussten – es ist niemand da. So zeitig werden Pilger eben nicht erwartet. Ein Mieter des Hauses bemüht sich, kann die Vermieterin aber nicht erreichen. So bleibt nur warten. Der Mieter meint, wir können uns auch auf die Bank in der Sonne setzen, doch da liegt der große Schäferhund des Hauses. Vor dem war Sabine schon beim Betreten des Grundstücks bange und sich jetzt daneben setzen? Aber wir wagen es. Der Hund guckt uns an, so nach dem Motto, tut ihr mir nichts, tu ich euch auch nichts, also alles gut. Ich finde auch eine Möglichkeit unsere Capes in der Sonne auszubreiten, damit sie trocknen können. Wir möchten sie ja wieder im Rucksack verstauen.
Gegen 15:30Uhr kommt die Vermieterin und begrüßt uns ganz freundlich auf … deutsch. Sie ist geborene Schweizerin und das erleichtert uns vieles. Diese Herzlichkeit ist wirklich überwältigend. Wir drei dürfen sogar unsere Wäsche in ihrer Waschmaschine waschen. Sabine sucht alles zusammen, was es nötig hat, um diese Möglichkeit auszunutzen.
Die Wäsche steckt in der Maschine und die Gastgeberin macht uns Kaffee. Bei angeregter Unterhaltung sitzen wir dann mit ihr zusammen. Sie bietet uns auch an, den Pool des Hauses zur Erfrischung zu nutzen, was aber leider nichts wird, denn es zieht erneut ein Gewitter auf. Der Schäferhund möchte dem Regen entfliehen, kommt aber erst nach gutem Zureden der Hausherrin ins Haus. Es sind ihm wohl zu viele Fremde da.
Unterwegs ist es uns nicht gelungen etwas fürs Abendessen zu besorgen und Stefan erkundigt sich nach Möglichkeiten, irgendwo den Hunger zu stillen. Ohne zu zögern kommt das Angebot, uns später zu einer Pizzeria zu fahren, was wir gerne annehmen.
Zu dritt sitzen wir in der Pizzeria und beobachten beim Essen, wie der Regen gegen die Scheiben gedrückt wird. Nur gut, dass uns die Gastgeberin hergefahren hat. Sollte es länger regnen, dürfen wir auch anrufen und sie holt uns wieder ab. Wir hoffen aber, dass das Gewitter bald wieder abzieht und wir die kurze Strecke zurücklaufen können.
Perfektes Timing, wir haben gezahlt und die Wolken sind abgezogen. Beim Betreten des Grundstücks bellt uns der Schäferhund heftig an. Es klingt schon ein bisschen gefährlich und Sabine ist nicht ganz wohl dabei. In Anbetracht dessen, was uns die Vermieterin über ihn erzählt hat, spreche ich ihn beruhigend an und er zieht sich zurück.
Die nächste Übernachtung ist gebucht. Blog und Tagebuch sind geschrieben, als ein weiteres Gewitter mit heftigen Windböen aufzieht. Wir wollen schlafen, doch ständig schlägt irgendeine Tür auf und zu. Vermutlich ist sie nicht richtig geschlossen und der Wind kann durch ein offenes Fenster die Tür in Bewegung halten.
Niemand kümmert sich darum, also stehe ich nach einer Weile auf, gehe ins Treppenhaus und stelle fest, dass sogar drei Türen offenstehen. Ich schließe sie alle und siehe da, es kehrt Ruhe ein.
Tag 7:
Das Frühstück lässt auch an diesem Tag keine Wünsche offen. Unsere Gastgeberin leistet uns dabei Gesellschaft und wir unterhalten uns sehr angeregt mit ihr. Das ist auch ein Grund, warum wir erst um 08:30Uhr starten, obwohl wir um 07:00Uhr am Tisch saßen.
Nach circa 6km will ich die Entfernungsangabe auf einem Wegweiser mit der Aufzeichnung beim Handy vergleichen und merke, dass ich die gar nicht gestartet habe. Ein bisschen ärgerlich, aber auf dem Wegweiser steht ja die ungefähre Entfernung, die wir zurückgelegt haben.
Die Wege sind anfänglich sehr schön und gestatten spektakuläre Rundumblicke.

In der Ferne sind hohe schneebedeckte Gipfel zu sehen. Wenn ich nach Google Maps gehe, müsste das in Richtung Grenoble sein. Dazwischen liegt eine ausgedehnte Ebene, auf die wir hinabblicken können, bevor es wieder hügeliger wird.

Später ändert sich der Untergrund der Wege etwas. Sehr oft liegen große runde Steine in großen Mengen darauf. Sie ähneln sehr im Fluss abgeschliffenem Geröll.

Auch in den Außenmauern der Häuser und Kirchen sind sie verbaut. Ich frage mich oft, wie diese Bauweise Halt gewährleistet.


Laufen lässt es sich auf diesem Untergrund nicht gut und Sabine hat Angst, wieder umzuknicken. Sie trifft es aber nicht, sondern mich. Ein solcher runder Stein, auf den ich trete, rollt weg und ich belaste beim Haltsuchen mein linkes Knie seitlich. Ein stechender kurzer Schmerz ist die Folge, den ich von da an bei bestimmten Bewegungen immer wieder spüre. Aber das kenne ich ja schon und es ist auszuhalten.
Wir haben heute eine längere Etappe von circa 30km geplant und zunehmend beginnt mich Stefans Rhythmus zu nerven. Immer wieder kommt der Einwurf, er bräuchte mal eine Pause um eine Zigarette zu rauchen. Wir wissen, er wird uns schnell wieder einholen und bitten ihn, sie doch allein zu machen. Davon will Stefan aber nichts wissen. Dazu kommt, dass er jede Kirche besuchen will, was auch wieder mit einer Pause verbunden ist. So kommen wir bei dieser Entfernung erst sehr spät an, was Sabine und mir nicht gefällt.
Tja und so kommt es, wie es kommen musste. Wir sitzen wieder einmal bei einer längeren Pause in einer Bushaltestelle. Stefan hat etwas gegessen und geraucht. Ich denke, jetzt geht es weiter, aber da zündet er sich ansatzlos die zweite Zigarette an. In etwa 200m Entfernung sehen wir eine Kirche und wissen, da wird er die nächste Pause machen. Der Frust über diese vielen Pausen hat sich bei mir ja schon länger aufgebaut und jetzt bricht es – mehr oder weniger – aus mir heraus.
„Muss jetzt noch eine sein?“ So oder ähnlich, ist meine leicht gereizte Frage.
Stefan reagiert mit Unverständnis. Sabines Blick bittet um eine mäßigende Konversation und ich versuche mich darin.
„Wir laufen dann schon mal weiter, du holst uns ja auch bald wieder ein“, sage ich und schnappe mir meinen Rucksack.
Sabine zieht mit und wir lassen Stefan mit seiner Zigarette allein.
„Ich würde gerne wieder einmal einen Tag alleine mit dir in unserem Rhythmus laufen“, merke ich immer noch leicht gereizt gegenüber Sabine an.
„Ich auch, aber ich kann ihn auch verstehen. Stefan sucht Anschluss und ist unsicher, weil er durch seine Erkrankung schnell etwas vergisst. Es gefällt ihm auch, wie du unsere Etappen vorplanst. Deshalb nimmt er auch solch lange Etappen wie heute in Kauf, was er sonst eigentlich nicht will.“
Meine Frau zeigt eben immer wieder viel Verständnis für die Bedürfnisse Anderer. Das macht sie aus und es gefällt mir ja auch. Andererseits kann ich manchmal nicht aus meiner Haut und reagiere impulsiv.
Ich hätte gemäßigterer auftreten sollen, was mir in solchen Momenten aber meist schwerfällt.
Bei der Kirche ist eine öffentliche Toilette, die Sabine aufsucht. Also trotzdem wieder ein Stopp, der mich nicht gleich wieder herunterbringt. Stefan kommt des Weges und geht ohne Reaktion uns gegenüber in die Kirche. Er scheint verletzt, was mir einerseits leidtut, ich aber andererseits auch mit einer Hoffnung verbinde.
Vielleicht bewirkt es, dass er von nun ab nicht mehr so zwingend darauf besteht, alles gemeinsam zu machen. Ein gemeinsamer Weg, wie wir ihn mit André im letzten Jahr hatten, wäre da schön. Zusammen laufen wenn es passt und Abstand zulassen, wenn man merkt, dass man unterschiedliche Schrittgeschwindigkeiten oder Pausenzeiten hat. Leider hat Stefan dieses Feingefühl von André nicht. Aber Sabine hat recht. Es mag an seiner Erkrankung liegen und ich sollte mehr Verständnis zeigen und mich zurücknehmen. Ob mir das wohl gelingt?
Zur öffentlichen Toilette noch: Laut Sabines Beschreibung ist es eine Art, die ich nur vom Hörensagen her kenne. Ein Loch im Boden, zwei Haltegriffe um sich darüber absenken zu können und nach dem Aufrichten eine Spülung, die Ränder und Loch sauber halten sollen. Hier hat es wohl einigermaßen sauber ausgesehen, bei einer anderen, die meine Frau aufgesucht hat, war anscheinend die Trefferquote des Vorgängers nicht so gut.
Wie erwartet zündet sich Stefan nach dem Kirchenbesuch die dritte Zigarette an und wir laufen langsam weiter, um ihm die Möglichkeit zu bieten aufzuholen. Das nutzt er nicht gleich und hält einige Zeit Abstand. Ich habe ihn vermutlich doch ganz schön verletzt.
Nachdem er schließlich doch aufgeschlossen hat, bricht es, als wir zwei ein bisschen vor Sabine sind, aus ihm heraus:
„Ihr wollt mich ja gar nicht dabei haben“, meint er.
Ich bin erschrocken, aber es bestätigt meine Vermutung.
„So ist es nicht“, beginne ich und versuche ihm zu erklären, was wir schon die ganze Zeit angedeutet haben. Dass wir im Prinzip langsamer unterwegs sind als er. Vor allem bei Steigungen. Dass es da doch vernünftig wäre, wenn er dann sein Tempo läuft und anschließend seine Zigarettenpause macht. Wir könnten in unserem Laufstil aufschließen und bräuchten keine Pause machen, die wir im Normalfall auch nicht brauchen, weil wir uns dann in einem gleichmäßigen Tempo auf der Ebene oder bergab wieder erholen.
So stürmt er immer vornweg, wartet, bis wir aufgeschlossen haben und geht dann weiter. Meist dann am höchsten Punkt kommt die Pause, die er dann braucht und wir auch machen sollen. Das will ich gerne vermeiden, erkläre ich ihm. Zusammen mit ihm laufen schon, aber nicht jeden Schritt gemeinsam machen müssen, ist der Sinn dabei.
Ich bin mir nicht sicher, ob Stefan das so verstanden hat wie ich es gemeint habe, aber er wirkt nicht mehr so frustriert.
Etwa 3km vor unserem Ziel sind wir noch einmal stark gefordert. Erst geht es steil bergauf.
Stefan bleibt nicht wieder ständig stehen, um auf uns zu warten und raucht oben seine Zigarette. Ob aus Trotz oder weil meine Erklärung ankam, weiß ich nicht.
Danach geht es in einem Wald über einen ausgespülten Schotterweg sehr steil wieder hinab. Mein Knie beklagt sich heftig darüber. Ohne Stock würde ich so einen Abstieg nicht mehr meistern können, erkenne ich. Stelle dabei aber auch die Vor- und Nachteile des in Genf erworbenen Wanderstockes fest.
Er hat eine Spitze, die mir an Stellen Halt gewährt, wo ich mit meinem Weidenstab abgerutscht wäre. Der Nachteil ist aber, dass er mit 1,50m um einiges kürzer ist und ich mich bei einem steilen Abstieg nicht so gut weit nach vorn absichern kann. Doch ohne Stock käme ich hier kaum vom Fleck. Da ist es schon ein wenig frustrierend, wenn ich sehe, wie locker leicht Stefan vor uns ohne Stöcke den Abstieg meistert, denn so ging das vor ein paar Jahren bei mir auch noch.
Le Grand-Lemps, unser Etappenziel, ist erreicht. Stefan hat zuletzt etwas Abstand gehalten und nicht mehr darauf bestanden, jeden Schritt und jede Pause gemeinsam zu machen. Ich bemühe mich um Deeskalation, denke aber, dass es Sabines Verdienst ist, dass Stefan jetzt nicht den Bruch sucht. Sie ist eben, wie auch in unserer Familie, der Harmonie gebende Part!
Am Ortsrand von Le Grand-Lemps trennen sich unsere Wege aber trotzdem. Stefan hat diesmal nicht in der gleichen Unterkunft unterkommen können. Sein Quartier ist etwas außerhalb und unseres genau im Zentrum.
Wir haben eine kleine Ferienwohnung ergattert, in der es allerdings keinerlei Verpflegung gibt. Das Einchecken ist laut Bewertungen unkompliziert, wir haben jedoch erst einmal Probleme, den Eingang zu finden. Die Eingangstür zur Wohnung trennt nur ein kaum gehbreiter Fußgängerweg von der Straße. Eine Hausnummer finden wir nicht und nur ein Werbeplakat mit ähnlichem Namen wie die Unterkunft deutet darauf hin. Den Schlüsselsafe nehme ich auch erst wahr, nachdem wir eine Passantin nach der Ferienwohnungsadresse gefragt haben.
Um 18:00Uhr sind wir schließlich drinnen. Wie befürchtet bekommen wir nun aber wegen des späten Ankommens Druck. Erst einmal schnell duschen, weil wir beide sehr verschwitzt sind. Währenddessen recherchiert Sabine nach Einkaufmöglichkeiten. Es gibt einen Lidl in circa 1km Entfernung, der aber bald schließt. Aber wir brauchen unbedingt etwas für Abendessen und Frühstück.
Nachdem Sabine sich auch frisch gemacht hat, ziehen wir los und schaffen es gerade noch so, die gewünschten Dinge einzukaufen. Als wir den Supermarkt verlassen, sind die Eingangstüren schon geschlossen.
Um das noch klarzustellen. Wir hätten auch in einem Restaurant, gleich um die Ecke zu Abend essen können, aber fürs Frühstück dann nichts gehabt. Außerdem ist es ein Unterschied, ob man rund 20 Euro für zwei Personen für Abendessen und Frühstück ausgibt, oder pro Person für ein Abendessen die gleiche Summe. Das hatten wir ja am Vorabend schon und ist unserer Reisekasse auf Dauer nicht zuträglich.
Zurück in der Wohnung stillen wir erst einmal unseren Hunger. Danach ist Quartiersuche für die nächste Nacht angesagt. Wir hängen hinterher mit der Unterkunftsbuchung. Etwas, was mir ganz und gar nicht gefällt. Der Plan war ursprünglich, immer einen Tag Puffer zu haben und über die Wochenenden sogar zwei. Jetzt haben wir noch nicht einmal was für die nächste Nacht und das setzt mich ganz schön unter Druck. Es ist aber auch eine Konsequenz aus dem Laufen zu dritt. Stefan will möglichst auch im gleichen Quartier unterkommen und so ist es auch an diesem Tag. Er schreibt sich mit Sabine über WhatsApp ständig hin und her, damit er weiß, wo unser nächstes Ziel ist und welche Unterkünfte wir da gefunden haben. Einerseits bin ich froh, dass ich ihn nicht so sehr verprellt habe, dass er jetzt auf Abstand geht, andererseits ist es auch schon wieder ein wenig nervig.
Für den nächsten Tag sind starke Regenfälle angesagt, also entschließen wir uns eine kürzere Etappe einzuschieben. Das Ziel ist La Côte-St-André. Etwa 15km entfernt von Le Grand-Lemps. Damit sind wir dann auch wieder auf dem Etappenplan, den ich vor unserer Reise erstellt hatte. Der war ja nach Motz etwas durcheinandergeraten, weil ich in gewünschter Entfernung nichts gefunden hatte.
In La Côte-St-André gibt es mehrere Möglichkeiten, die preiswerteste ist wieder eine Ferienwohnung, die wir über Booking gefunden haben. Adressen aus dem Wanderführer per Mail anschreiben bringt uns diesmal nichts, weil wir ja auch Antwort warten müssen und die vielleicht erst am nächsten Tag erhalten. Ist das dann eine Absage, haben wir ein Problem. Außerdem ist es mittlerweile schon 21:00Uhr.
Also über Booking die Ferienwohnung buchen. Der Vorgang ist fast durch und ich bin auf PayPal eingeloggt um zu bezahlen, als eine Fehlermeldung kommt. Die Buchung bei Booking kann nicht abgeschlossen werden, aber der Betrag ist bei PayPal abgebucht. Der Tag ist aber auch wie verhext!
Also noch einmal den Vorgang bei der gleichen Adresse gestartet und diesmal klappt es, aber die Summe ist zweimal von PayPal abgebucht. Das ist schon wieder belastend und der emotionale Druck steigt bei mir.
Was bleibt ist eine Mail an Booking, um die erste Abbuchung zu stornieren. Auf die Antwort müssen wir aber warten. Inzwischen ist es 21:30Uhr geworden und wir sind beide hundemüde. Sollen wir uns noch an die Buchung der nächsten Übernachtung wagen? Nein, dazu fehlt mir jetzt der Nerv, ich will einfach nur noch schlafen und Sabine geht es auch nicht besser.
Trotzdem gelingt das Einschlafen nicht gleich. Die Eingangstür führt ja gleich in den Wohn-Schlafraum und draußen fahren die Autos vorbei. Ein Fenster können wir auch nicht aufmachen und es ist recht stickig im Raum. Über uns höre ich immer wieder, wie jemand hin und her läuft und sogar einen Fernseher oder das Radio kann ich hören.
Wenn ich richtig müde bin eigentlich kein Problem, doch jetzt beschäftigt mich die doppelte Abbuchung. Dazu kommt noch, dass wir mit der Übernachtungssuche hinterherhängen. Immer über Booking zu suchen ist auf die Dauer nicht die preiswerteste Lösung. Adressen aus dem Wanderführer anzuschreiben wäre da besser, aber dazu brauchen wir wenigstens einen Tag Vorlauf, denn anrufen wie in Deutschland oder der Schweiz geht nicht, weil wir ja kein französisch sprechen. Hoffentlich fällt uns das nicht auf die Füße.
Sabine schläft schon lange den Schlaf der Gerechten, als ich endlich auch Ruhe finde.
Hier noch ein paar Impressionen vom Weg;



