Der Morgen ist da, aber keine Antworten auf unsere Übernachtungsanfragen von Sonntag auf Montag. Vor allem Sabines Stimmung ist im Keller. ☹
Über eine Französin bestellen wir ein Taxi, das uns nach dem Frühstück ins Zentrum von Le Puy bringen soll. Eine 30 km Etappe wollen wir uns heute nicht antun. Vor allem, weil wir die 7 km bis zum Zentrum am Vortag schon fast komplett gelaufen sind.
Es hat geklappt, wir werden vom Taxi bis fast zur Kathedrale gefahren. Kosten, die wir uns gerne gespart hätten, aber es hatte Gründe, warum die Preise im Zentrum an diesem Wochenende so hoch und die Quartierauswahl beschränkt war.
Zum einen gab es eine Tattoo-Messe und heute ein großes Laufevent.
Als erstes haben wir uns zur Kathedrale begeben. Ein wirklich beeindruckendes Bauwerk, was man in Kürze gar nicht beschreiben kann.



Danach ging es auf die Via Podiensis. Der Pilgerweg, der von Le Puy-en-Velay bis nach Saint-Jean-Pied-de-Port geht.
Zuerst kämpften wir uns durch einen großen Wochenmarkt, danach ging es den Berg hinauf aus Le Puy heraus.
Überall waren Straßen gesperrt und unser Weg auch halbiert. Wir durften nur rechts gehen, weil links die Läufer kamen.
Dann der nächste Schreck. Es sind Massen an Pilgern und Fernwanderern unterwegs. Allein aus der Stadt heraus haben wir bestimmt 20-30 gesehen. Das kann ja was werden. Wo wollen die bloß alle nachts unterkommen? Kein Wunder, dass wir für Sonntag noch kein Quartier haben.

Die Stimmung von Sabine ist durch die vielen Pilger immer noch im Keller. Das Laufen, die Gedanken, alles ist schwer. Der Mut und die Kraft sind weg. Gedanken ans Aufgeben hat sie noch nicht, ich aber dadurch schon.
Wir haben den letzten Checkpoint für die Läufer noch nicht lange hinter uns, da kommt uns ein älterer Mann entgegen. Er spricht uns an und als wir uns als Deutsche zu erkennen geben, wechselt er in unsere Sprache. Beim Gespräch gibt er uns den Tipp, einem markierten Wanderweg zu folgen, der sich besser laufen lässt und kürzer ist. Später stößt der Weg auch wieder auf den Jakobsweg, meint er und zeigt uns den Verlauf auf einer Wanderwegkarte.
Wir vertrauen dem Mann und nehmen den vorgeschlagenen Weg. Vielleicht soll er uns den Tag ja leichter machen.
Hier ein paar Impressionen davon.


Nach einer Weggabelung kommt uns eine Pilgerin entgegen und sagt, sie findet keine Wegmarkierungen mehr. Wir sind falsch, aber nur wenige Meter, sie ist länger fehlgelaufen. Und wirklich, wir haben einen Hinweis an der Gabelung übersehen.
Später sitzt genau diese Frau völlig fertig mitten auf dem Weg im Schatten eines Baumes. Ihr Wasser ist aufgebraucht und sie ist am Verdursten. Sie hat nur eine 1l Flasche mit, was einfach zu wenig ist. Wir geben ihr etwas von uns ab.
Kurz vor dem Etappenziel geht es hinab ins Tal.

Wir machen noch eine Pause und bekommen Besuch.

Er bleibt ein Stück und geht dann wieder seiner Wege.
Im Zielort treffen wir auch Stefan wieder und sind im selben Quartier.
Eine Übernachtung für morgen bekommen wir auch noch. Und doch ist es auf diesem Weg anders. Der Trubel hier nimmt uns einen Teil der Pilgerstimmung. Es ist ein Vorgeschmack auf überlaufene Pilgerwege. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt.
