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Zweiter Versuch Tag 19, 15.06. Saugues – Les Faux, 28,8 km

Ha, in Saugues hätte es schöne Holzstöcke gegeben, aber jetzt habe ich ja einen. Außerdem ist keiner so lang wie meiner war. 🤣

Wir haben gestern beim Abendessen zwischen 8 Franzosen gesessen und kamen dann auch mit der Übersetzungs-App ein bisschen ins Gespräch. Die drei jüngeren Frauen neben uns zeigten sich erstaunt, wie weit wir schon gelaufen sind und wollten viel wissen. Auch wenn wir den sonstigen Gesprächen nicht folgen konnten, waren wir irgendwie integriert. Beim Frühstück genauso.

Der Start, bis wir aus der Stadt heraus gekommen sind, verlief etwas zähflüssig. Erst die Kirche besuchen, dann hat sich Sabine in einem Outdoor-Laden einen Gürtel besorgt, weil sie ihren zuhause vergessen hat. Danach Geld abheben, weil die Barkasse zur Neige geht. Und schließlich noch in eine Apotheke, um etwas für Sabines Fuß zu besorgen.

Als wir schließlich auf dem Weg waren, bewegten sich vor und hinter uns die Gruppen der Pilger.

Die Jugend (viele junge Frauen) leicht und locker, dabei schwatzend wie eine Hühnerschaar.

Eine Quartierzusage für den Abend hatten wir noch bekommen, allerdings weiter weg als geplant. Stefan wollte nicht so weit laufen und hat ein anderes Ziel anvisiert. Er ist jetzt ca. 12 km hinter uns und wir haben ihn an diesem Tag auch nicht gesehen.

Fortsetzung folgt, jetzt geht es gleich zum Frühstück. Die Handy-Verbindung ist jetzt am Morgen auch besser.

So, weiter geht’s:

Die Strecke sollte an diesem Tag nur moderate An- und Abstiege haben, weshalb wir uns auch die längere Etappe zugetraut haben. Es zeigt sich aber, dass Sabines Fuß Probleme macht. Halten wir kurz an, wie zu diesem Rückblick nach Saugues, dauert es immer ein Stück bis sie wieder in die Gänge kommt.

Immer wieder kommen schöne schattige Waldwege, aber es geht auch oft über offenes Gelände, im prallen Sonnenschein. Die Landschaft wirkt wie eine Mischung aus Vogtland, Vorarlberg, aber mit deutlich südlicherer Fauna.

Es ging stetig weiter hoch, bis wir in 1367m die Domaine du Sauvage erreicht haben. Ein ehemaliges Templer-Gut.

Auf dem Weg zur Domain fällt uns eine Vierer-Gruppe Frauen auf.

Sie sind unentwegt am Schnattern, wie eine aufgeregte Hühnerschaar. Alle 50m bleiben sie stehen und diskutieren etwas aus. Deshalb nennen wir sie bald die Meeting-Frauen. 😄

Bei den Gebäuden der Domain machen wir bei einer Sitzgelegenheit Pause und brauchen die Jacke, weil in dieser Höhe ein kalter Wind weht.

Das wäre übrigens unser Wunschziel für diese Etappe gewesen.

Danach kamen wir noch zu einer Kapelle, vor der eine Frau saß und uns einen Pilgerstempel gab.

Wir verließen die großen Höhen und es wurde wieder wärmer. Der Schweiß lief wieder in Strömen.

Das Feld der Pilger hatte sich ausgedünnt. Einige waren nicht so weit gelaufen, andere weiter. Ich gab mich der trügerischen Hoffnung hin, es würden nicht so viele zu unserem Ziel laufen, weil es auch 1 km von der Strecke ab liegt.

Weit gefehlt, der 16 Betten Raum war bis auf 3 belegt. Später sind aber welche wieder verschwunden, weil es denen vermutlich zu viele Leute waren. Ob die dann eins der teuren Doppelzimmer genommen haben, wissen wir nicht. In denen waren auch schon andere einquartiert. Ein farbiger Pilger, mit Frau und Tochter. Sowie ein norwegischen Paar, das wir bei der Kapelle zum ersten Mal gesehen hatten. Die Meeting-Frauen waren in einem gesonderten Teil des Objektes unter gekommen.

Als wir später zu den Sitzgelegenheiten vors Haus gingen kamen die „Jungs“ an. Eine Dreier-, manchmal auch Vierer-Gruppe Männer – geschätztes Alter, Anfang 30, die am Tag zuvor schon in unserer Unterkunft waren.

Die waren ganz schön erstaunt, uns zu sehen und einer meinte: „Wie kann das sein, dass ihr schon geduscht und gestylt hier seid und wir kommen gerade erst an!“

Mit dem norwegischen Paar kamen wir auch kurz ins Gespräch. Sie laufen nur 4 Tage und zeigten sich sehr interessiert an unserer Pilgertour.

Den Tag von heute gibt es morgen. Heute wird es mir zu spät.

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